Mit richtiger Motivation und gutem Herzen in die Katastrophe 😮

Ein gutes Herz haben reicht nicht aus

Hiobs Freunde wollen nur sein Bestes. Und dabei glauben sie, dass sie „gut und richtig“ handeln …

Hiobs Freunde mögen ein gutes Herz haben, aber helfen können sie ihm nicht. Denn über den Versuch, ihm zu helfen, „verlernen“ sie, ihn zu lieben. Es ist gefährlich, wenn wir uns auf unsere eigene Einschätzung verlassen, ob unsere Motivation „gut und richtig“ ist.

JesusJournal soll dazu anregen, sich selbst Gedanken über Gott und die Welt zu machen.

Natürlich von einem christlichen Standpunkt aus, suchend, tastend und dankbar entdeckend. Dabei immer wieder rückversichernd beim HERRN. Wir alle sehen nur Stückwerk und niemals möchte ich mir hier auf dieser Seite oder sonstwo anmaßen, im Besitz der ultimativen Wahrheit zu sein.

Wahr ist das, was in der Bibel steht.

Vor diesem Hintergrund habe ich heute eine Beobachtung für dich, die mir der HERR heute morgen geschenkt hat.

Was in unserem Herzen ist

Ich lese Hiob 18 und die Anmerkungen zu den Versen in meiner Reformationsbibel. Parallel habe ich wie immer die Bruns-Bibel offen, denn ich mag die Sichtweise und die knappen Kommentare von Hans Bruns sehr gerne.

Dann fiel mir etwas auf.

Lass uns als Beispiele die Verse 2–4 nehmen:

Bildad, ein Freund Hiobs, sagt zu diesem: „Wie lange wollt ihr doch Jagd auf Worte machen? Besinnt euch zuerst, und dann wollen wir reden! Warum werden wir dem Vieh gleichgeachtet, sind so dumm in euren Augen? Du, der sich selbst zerfleischt in seinem Zorn: Soll um deinetwillen die Erde veröden und der Fels von seiner Stelle wegrücken?“
(Hiob 18,2-4; Schlachter 2002)

Die Reformationsbibel schreibt dazu:

Bildad beschuldigt Hiob, dass er seine fehlende Bereitschaft, seine wirkliche Lage zu akzeptieren, mit Worten zudeckt. Bildads Selbstgefälligkeit wurde durch Hiobs Anschuldigungen beleidigt, dass Tiere die Freunde (in Weisheit) unterweisen könnten.

Dieses Muster zieht sich durch das gesamte Buch Hiob: Bildad beschuldigt, Bildads Selbstgefälligkeit … alles negative Beschreibungen.

Bei allem, was die Freunde sagen, wird eine negative Einstellung angenommen und unterstellt. Man bekommt durch die Kommentare den Eindruck, sie seien eher gekommen, um Hiob zu quälen statt ihm zu helfen.

Bruns schreibt dagegen Folgendes:

Bildad ist ähnlich wie Elifas (ein anderer Freund) in seiner zweiten Rede viel erregter. Auch ihn hat die Sorge gepackt, dass Hiob in seinem Reden und Anklagen sich völlig vergessen möchte. Dabei ist er aber auch selbst nicht frei vom Gefühl des Beleidigt-Seins. (…). Man spürt ihm aber den ganzen Ernst an, mit dem er für Gottes Sache einzutreten versucht.

Hier herrscht eine andere Stimmung …

Bruns nimmt eine positive Einstellung der drei Freunde an.

Zwar spricht er auch den „Fehler“ von Bildad an, eine beleidigte Leberwurst zu sein. Doch für ihn überwiegt „das Positive“ in der Beurteilung des Menschen Bildad, denn „er versucht, mit ganzem Ernst für Gottes Sache einzutreten“.

Für Gottes Sache eintreten ist grundsätzlich erst einmal positiv

Deshalb mag ich Bruns und seine Bibel-Kommentare.

Bruns hat immer eine positive Sicht auf die Dinge. Er sucht „das Gute“ im Menschen. Er nimmt die „positive Motivation“ an und interpretiert und beurteilt auf dieser Grundannahme.

Das ist angenehm und für uns als Kinder Gottes ein Segen. Ich glaube, dass wir dadurch mehr lernen können aus eine Bibelpassage.

Warum?

Nun, du weißt, die Bibel hält uns einen Spiegel vor. Wir sollen und können uns selbst erkennen in ihren Akteuren. Und ich möchte jetzt nicht anmaßend sein, aber in einem „positiv motivierten“ Menschen kann ich mich einfach besser erkennen als in einem „negativ motivierten“ Menschen.

Weil ich auch bei mir die Grundannahme habe, „positiv und gut motiviert“ zu reden und handeln … wie Bildad.

Und jetzt kommt der Clou:

Gerade das Buch Hiob zeigt mir, wie viel Elend es bringen kann, wenn ich auf meine eigene Einschätzung vertraue, dass meine Motivation „richtig, positiv und gut“ ist. Und aufgrund dessen dann rede und handele …

Viel Unglück geschieht durch Menschen, die „nach bestem Wissen und Gewissen“ nur das Beste wollen.

Bei Hiobs Freunden ist das so. Sie richten viel Schaden mit ihrem „gut motivierten“ Reden an. Sie sind in Sorge um Hiob, aber sie schießen über das Ziel hinaus. Hiob braucht Trost, keine Belehrung – und sei sie noch so „gut“ motiviert.

Hiobs Freunde wollen ihm „helfen“, aber darüber vergessen sie das „lieben“. Lieben kommt vor Helfen, Lieben ist größer als Helfen.

Die Bibel beschreibt uns noch eine andere Menschengruppe, die uns drastisch vor Augen führt, wie schief gewickelt wir sein können in unserer Selbstgerechtigkeit, dass unsere Motivation „gut“ ist. Und welches Unheil wir dadurch anrichten können …

Ich denke manchmal: „Vielleicht verachten wir diese Menschen deshalb, weil sie uns so ähnlich sind.“

Weißt du, wen ich meine?

Der Jesus-Journalist ✍🏻

P. S.

Letztlich hilft nur beten, denn wir fallen immer wieder darauf herein. Denk an das Beten mit der Bibel von gestern, schnapp dir Psalm 139 und lies ihn in Vorbereitung auf dein bewusstes Gebet durch. 

Die letzten beiden Verse werden dich genau dahinführen, wofür ich heute diesen ganzen Artikel gebraucht habe:

Erforsche mich, Gott, und erkenne, was in meinem Herzen vor sich geht; prüfe mich und erkenne meine Gedanken! Sieh, ob ich einen Weg eingeschlagen habe, der mich von dir wegführen würde und leite mich auf dem Weg, der ewig Bestand hat.
(Psalm 139, 23–24; NGÜ)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert